Tag gegen Lärm


Passend zum „International Noise Awareness Day“ hat die BZ eine Tabelle der Interhyp-Befragung zu den nervigsten Lärmquellen im Städtevergleich veröffentlicht. Überraschend für Berlin, DER „PARTYHAUPTSTADT“, dabei ist, dass mit 30% Partylärm noch vor Strassenlärm (27%) rangiert. In den  Städten Hamburg, München, Köln, Stuttgart, Frankfurt und Leipzig finden die Einwohner den Partylärm weit weniger störend als die Berliner. Platz 2, nur die Hälfte (15 %), belegen die Leipziger, es folgt Hamburg mit 14 %. Und in keiner anderen Stadt wird Partylärm an erster Stelle genannt.

Lärmstudie 2017 Bundesweit

Dieses sensationelle Ergebnis sollte Anlass genug sein für eine breite öffentliche Diskussion, wird aber in der Berichterstattung der etablierten Tageszeitungen nicht eingehend thematisiert. Berlins Wirtschaftsstrategen und Lobbyisten, von Visit.Berlin, über DEHOGA, Clubcommission bis zur Wirtschaftssenatorin Ramona Pop würden dies auch nicht so gerne lesen wollen.

Insofern aber doch eine gute Nachricht für alle Anwohner in den sog. Szenebezirken, wo sich Café, Bar, Restaurant, Imbiss und Späti aneinander reihen, die sich gegen Lärm, Müll und Touristifizierung in ihrem Kiez engagieren. Denn keinen Falls sind sie eine verschwindend geringe Minderheit, die allzu oft als Spaßverderber und Spießer tituliert werden. Gerne auch von zuständigen Bezirkspolitikern, die die verwaltungsrechtlichen Mittel an der Hand hätten um eine Konzentration von „nachtökonomischen Angeboten“ wie z.B. in der Simon-Dach-Str. erst gar nicht zu ermöglichen.

Der Reuterkiez in Neukölln möchte die „Ver-Simon-Dachisierung“ verhindern und prägt damit einen neuen Begriff in der Debatte. Der Senat, allen voran Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) muss erkennen, dass sich Akzeptanzerhaltungsprojekte zum Tourismus längst überholt haben. Vielmehr ist eine Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung notwendig, einseitig auf das Zugpferd Tourismus zu setzen, ist nicht nachhaltig.  Berlins Marketingstrategen von Visit.Berlin, DEHOGA und Clubcommission stehen vor der Aufgabe den Ruf der „Partyhauptstadt“ wieder los zu werden. Die Bezirksverwaltungen davor, ihre Verpflichtung zur Daseinsvorsorge ernst zu nehmen.