Rund ums RAW-Gelände: Entspannung doch keine Entwarnung!


Wir haben die aktuellen Zahlen zur Kriminalitätsentwicklung unter die Lupe genommen und für den Bereich rund ums RAW-Gelände ausgewertet. Die Antwort der Innensenatsverwaltung auf eine schriftliche Anfrage (Drucksache S 17/19111) von Marianne Burkert-Eulitz (Grüne) liefert die Daten. Für die Grafik haben wir drei Deliktgruppen herausgegriffen und mit den Fallzahlen der Vorjahre verglichen.

Gewaltdelikte

Zu Delikten mit Gewaltcharakter gehören u.a. Körperverletzung und Raub. Im Vergleich zu 2013 ist eine Abnahme dieser beiden Straftaten um 12 % bzw. 30 % zu vermerken. Wenn bis Ende des Jahres die Zahlen nicht wieder nach oben korrigiert werden müssen, eine positive Entwicklung. Die Zahl der Sexualdelikte hat sich hingegen verdreifacht, von 5 angezeigten in 2013 auf 15 bis Ende September 2016. Ob das mit der Silvesternacht in Köln in Verbindung gebracht werden kann, vermögen wir nicht zu beurteilen. An dieser Stelle möchten wir betroffene Frauen dazu ermutigen alle Übergriffe auch zur Anzeige zu bringen!

Eigentumsdelikte

Eigentumsdelikte insgesamt, wie Einbruch und Diebstahl, sind bis September zum Vergleichsjahr 2013 um 17,8 % zurückgegangen. Bei Taschendiebstahl hingegen ist das Niveau um 7 % angestiegen. 2013 wurden 528 Fälle zur Anzeige gebracht, bis Ende September waren es 565.

Hier liegt die Dunkelziffer vermutlich besonders hoch. Eine Nachbarin erzählt, dass sie gefundene, entleerte Handtaschen und Portemonnaies nicht mehr bei der Polizei abgibt, sondern versucht die Bestohlenen selbst zu kontaktieren. In den meisten Fällen haben die Opfer den Verlust gar nicht erst zur Anzeige gebracht. Anzunehmen ist zudem, dass beklaute Nachtschwärmer, die ein ausgelassenes Wochenende in Berlin verbringen und am Sonntag wieder gen Heimat abreisen den Verlust von smartphones usw. als erwartbare Begleitumstände verbuchen. Bei vergleichsweise günstigen Eintritt und Getränken und Easyjetter Tarif wohl zu verschmerzen.

Polizeipräsident Kandt’s Ankündigung Taschendiebstahl nur noch „schmal zu bearbeiten“ wird leider dazu führen, dass kaum noch jemand anzeigt. Es bleibt nur zu hoffen, dass dies mittelfristig nicht dazu führt, dass die Personaldecke der Polizei noch dünner wird.

Betäubungsmittel

Drogenhandel und Besitz erreichen nicht mehr das hohe Niveau von 2014 und 2015, sind im Durchschnitt aber immer noch rund doppelt so hoch wie im Jahr 2013. Der Anteil an nicht Cannabis haltigen Substanzen lag 2013 bei 20,9 % (79 von insgesamt 384 Fällen). Bis September diesen Jahres machten 165 sichergestellte Funde einen Anteil von 29,6 % aus. Insgesamt wurden 558 Fälle erfasst. Der Trend geht weiter zur amphetaminhaltigen Droge, was in einem „Partykiez“ wie dem unseren wenig überrascht. In unserer Nachbarschaft ist man immer wieder mit aufgeputschten Menschen konfrontiert, deren Hemmschwelle gesunken und Gewaltbereitschaft gestiegen ist.

Die Konzentration von Clubs entlang des „Techno-Strichs“ zieht massenhaft Besucher an. Bei der zukünftigen Entwicklung des RAW-Geländes muss dieser Zusammenhang Eingang in die weitere Planung finden. Denn es macht sehr wohl einen Unterschied ob ein Dutzend Verstrahlte oder mehrere Busladungen davon die nächtlichen Straßen bevölkern.