Wer sind die entnervten Anwohner – und wenn ja wie viele?


Nach ins Leere laufenden, hilfesuchenden Anfragen an Ordnungs- bzw. Umweltamt, Polizei und Politik beschleicht manch NachbarIn das Gefühl allein zu sein mit Problemen, die sich aus dem Wohnen auf Kneipenmeilen ergeben. „Bin ich spießig, weil es mir nachts zu laut ist? Bin ich empfindlicher als andere? Kann es sein, dass nur ich mich beschwere?“

„Dass es zu laut sei, ist eine Einzelmeinung weniger  AnwohnerInnen, die Mehrheit fühlt sich total wohl in diesem quicklebendigen Kiez.“

Mit Aussagen wie dieser schlagen wir Anrainer uns nun schon eine ganze Weile herum. Dass es vielen, wenn nicht sogar den meisten Anwohnern mittlerweile viel zu rummelig und zu touristisch im Kiez ist, zeigt eine aktuelle Erhebung zum Sozialen Erhaltungsgebiet Boxhagener Platz der ASUM (Angewandte Sozialforschung und urbanes Management GmbH) aus dem Sommer 2015.

Weite Bereiche rund um den Boxhagener Platz wurden bereits 1999 zum Millieuschutz-Gebiet erklärt, um die ansässige Bevölkerung vor Verdrängung zu schützen. In diesem Areal befinden sich viele der Straßen, in denen sich heute Späti an Imbiss, Café, Restaurant und Kneipe reihen.

Nebenprodukt der im Auftrag des Stadtentwicklungsamtes erstellten ASUM-Analyse zu Miete, Einwohnerstruktur & Co. ist eine Sammlung von Anwohnermeinungen zu ihrem Wohnungsumfeld. In Anlage 2, der nun auch auf der Bezirksamts Homepage eingestellten Erhebung, wird die Unzufriedenheit der dort lebenden Bevölkerung mit der Situation in ihrem Wohngebiet deutlich. Die vielen, mit minus gekennzeichneten Anmerkungen (s. hier) zu Tourismus, Ballermann, Partyvolk, Lärm, Müll und Kriminalität lassen keinen Zweifel zu:

Es sind eben nicht Einzelmeinungen einiger weniger Anwohner!

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Wir sind gespannt, ob die zögerlichen Ämter und die zuständigen BezirkspolitikerInnen diese, quasi amtliche, Bestätigung als Argumentationshilfe nutzen werden, endlich Maßnahmen zu ergreifen, dem nächtlichen Wahnsinn wirkungsvoll und nachhaltig Einhalt zu gebieten.