Hotel statt Wohnraum im Milieuschutzgebiet Boxi


Boxhagener Ecke Simon-Dach-Str.
Boxhagener Ecke Simon-Dach-Str.

Kommen jetzt nach Kneipen-, Hostel-, Hotel- und Ferienwohnungschwemme die Luxushotels in den Südkiez? Im dem Eckhaus Boxhagener Str. 26 / Simon-Dach-Str. 46, also innerhalb des Erhaltungsgebiets Boxhagener Platz hat das Chrome Cottage eröffnet. Laut booking.com werden Hotelzimmer angeboten ab 21 m² (Standardzimmer) bis zu 80 m² (Suite). Auch schön für die Gäste: die Ausstattung aller Zimmer mit Schallisolierung sorgt selbst auf der Simon-Krach für störungsfreien Schlaf.

Für die verbliebenen luxussanierten Appartements in der 2. bis 4. Etage, die als „Wohnraum“ deklariert werden, gibt es einen auf 2 Jahre befristeten Mietvertrag mit Zalando, dort sollen deren Mitarbeiter wohnen. In Betreiberkreisen wird spekuliert, dass nach Ablauf des Vertrages mit Zalando das gesamte Haus ein Hotel werden könnte.

Wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass in dem Mietshaus im Millieuschutzgebiet noch nach 1999 Wohnraum in Gewerbe umgewandelt werden konnte, berichtet das „Mieterecho“ in seiner aktuellen Ausgabe. Dem Bezirk waren seit Jahren die Pläne zur Umwandlung, die Entmietungen und der fortschreitende Leerstand bekannt. Auf BVV-Sitzungen stellte die Linke dazu mehre Anfragen, diese sind leider nicht mehr im Linken-Archiv zu finden. SA/099/IV vom 23. Januar 2013 hier. Der zuständige grüne Baustadtrat beschwichtigte, wiegelte ab, blieb untätig und verschleppte. Obwohl er durch das besondere Verwaltungsrecht für soziale Erhaltungsgebiete, das Werkzeug dazu an der Hand gehabt hätte.

Das Haus wurde zum Spekulationsobjekt und wechselte mehrmals den Besitzer, aktuell gehört es der Kurth-Immobilen-Gruppe. Da war doch was? Ja, die gleichen Kurths aus Göttingen, die voriges Jahr auch den größten Teil des RAW-Geländes gekauft haben. Wen wundert es da noch, dass Hans Panhoff, der eher zu investorenfreundlichem Verwaltungshandeln zu neigen scheint, bei einer EinwohnerInnenanfrage fand: die frühzeitige Einbindung der Bürger, wie bei der Entwicklung des Freudenberg-Areals, sei fürs RAW nicht erstrebenswert (DS/2259/IV)

Für einen Blick in die Zukunft lohnt ein Blick zurück. Denn seit der Verwaltungsreform 2001, bei der für unsern Bezirk Stadtteile aus West- und Ostberlin zusammengelegt wurden, sind grüne Stadträte für die Ressorts Umwelt und Bau zuständig, Franz Schulz von 2001 bis 2006 und seitdem Hans Panhoff. Der eigenen Verantwortung nicht gerecht werden und den Handlungsbedarf bei anderen sehen? Im aktuellen Bezirkswahlprogramm jedenfalls fordern die Grünen vom Senat: Die immer neue Ansiedlung von Hotels und Hostels muss endlich durch einen Berliner Hotelentwicklungsplan kiezverträglich gesteuert werden.

Zum Sachgebiet Umwelt gehört originär der Lärmschutz. Flüsterasphalt – ja. Aber Kneipenlärm? Anfang 2000 hat Herr Schulz noch die Kompromissfindung zwischen Anwohnern und Gastronomie im Südkiez begleitet. Herr Panhoff kümmert sich da erst gar nicht um Lärmprobleme und überlässt es gleich Stadtrat Peter Beckers (Wirtschaft u. Ordnung), dem zur Lösung der Konflikte nur Mittel aus der Wirtschaftsförderung und Partner aus Hotellerie und Gastronomie zur Verfügung stehen.

„Vielfältige Kiezstrukturen erhalten statt überall Hostels zu bauen. Die Menschen sollen nicht durch zu starken Lärm krank werden. Wir kämpfen für einen Kneipen-Stopp, wenn im Kiez durch immer mehr Restaurants, Cafés und Bars die Mischung kippt“ usw., ect., pp. – kann grünen Publikationen derzeit entnommen werden. Gleichzeitig lesen die Bewohner aus dem Simon-Dach-Kiez im Tagesspiegel: Und warum hat er sich für sein Aufbegehren gegen den Trend zum „Ballermann“ nicht den Kneipen-Hotspot des Bezirks an der Friedrichshainer Simon-Dach-Straße ausgesucht? Dort sei nichts mehr zu retten, sagt der Stadtrat. „Dieser Kiez ist schon gekippt.“ Nach 10 Jahren versäumten Eingreifens für betroffene Bewohner eine zu einfache Erklärung.

Die Berliner Zeitung will erfahren haben, dass die Linken für das Fachgebiet Stadtentwicklung ihre Expertin Katrin Lompscher ins Gespräch bringen. Ob die Grünen auf den Posten verzichten, ist ungewiss.

Die Qual der Wahl scheint 2016 schlimmer als üblich, laut aktueller Umfrage sind noch 41% unentschlossen.